Im Herbst 2018 dirigiert uns:

Thomas Bronkowski

Er ist der menschliche Vertreter der Spezies „eierlegende Wollmilchsau“: Konzert- und theaterliebende Bielefelder kennen Thomas Bronkowski als Kontrabassisten der Bielefelder Philharmoniker. Dort spielt er bei Bedarf auch E-Bass und Banjo. Außerdem ist er in der Funk-Band „Basement Boyz“ Saxophonist und im FSO seit einigen Jahren festes Mitglied im Schlagzeug. Da war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, dass er die Seite wechselt.

Am Anfang stand der Zufall: Im Winter kam in einer Probe des FSO einmal die Frage auf, ob nicht jemand für einen Augenblick den Taktstock übernehmen könne. Thomas Bronkowski lugte hinter seiner großen Trommel hervor, nickte – und was dann folgte, hat die Mitspieler des FSO derart überzeugt, dass sie ihn kurzerhand für die aktuelle Probenphase als Dirigenten verpflichteten.
Thomas Bronkowski
Der 35-Jährige machte seine ersten musikalischen Schritte im Kindergartenalter mit der Blockflöte. Dabei zeigten sich schnell zwei Dinge: Zum einen wollte der Knabe nie alleine spielen, sondern stets zu zweit, wobei er leidenschaftlich gerne die Begleitstimme übernahm. „Und außerdem konnte ich nie an einem Instrument vorbei gehen, ohne es auszuprobieren“. Zur Blockflöte gesellten sich verschiedene Tasteninstrumente, die Gitarre und die Mandoline, erste Ensembleleitungen, schließlich auf dem Gymnasium der Eintritt ins Schulorchesters. Thomas Bronkowski erinnert sich an eine unkonventionelle Aufführung der „Kleinen Nachtmusik“ mit C-Flöte, Gitarre und Vibraphon. Mit amüsiert hochgezogener Augenbraue versichert er: „Das hat mir eine relative Schrankenlosigkeit in Bezug auf Stilistik gegeben.“ Und dann kam der Tag, an dem der Schüler auf dem Dachboden der Schule stöberte und den Schulkontrabass entdeckte. In Ermangelung eines Bassbogens strich er mit einem Bratschenbogen, als Linkshänder hielt er das Instrument falschrum, und für jeden gefundenen Ton schnitzte er ganz pragmatisch eine Kerbe ins Griffbrett. So begann sein Werdegang als Kontrabassist.

Und noch etwas passierte in diesem Schulorchester: Wegen der eigenwilligen Besetzung (siehe oben) musste der Lehrer des Öfteren fehlende Stimmen am Klavier mitspielen. Thomas Bronkowski übernahm dann das Dirigat. So weit, so gut. Als er nach dem Abitur schließlich die Aufnahmeprüfung für Kontrabass an der Hochschule für Musik in Frankfurt machte, hatte er bereits jeden Abend irgendwo irgendein Laienensemble zu dirigieren. So lernte er, was Laien in einer Probe brauchen – und was sie keinesfalls wollen (alleine vorspielen zum Beispiel!). Und er lernte, dass Perfektionismus nicht zum Ziel führt: „Laienmusik kann nicht alle professionellen Ansprüche erfüllen, sie ist deswegen aber nicht schlechter. Für den Profi ist Musik Arbeit. Dem ist es oft egal, was er spielt oder mit wem er probt. Für den Laien hat Musikmachen dagegen nicht den Zweck, der Beste der Besten zu sein – was den Job des Dirigenten wiederum manchmal schwierig macht.“ Eines ist sicher, dauerhaft die Seiten wechseln will der Kontrabassist nicht, dafür spielt er selbst viel zu gerne. Aber dennoch: „Manchmal möchte ich Musik so gestalten, wie ich sie empfinde. Die Möglichkeit hat man im Orchester nur begrenzt, da muss man sich dem Dirigenten unterordnen. Darum musste ich die Chance, die Musik gemeinsam mit dem FSO gestalten und interpretieren zu können, einfach wahrnehmen“. Also – das FSO freut’s!

Text: Anna Mönks
Foto: Thomas Bogdan